Présentation :

Im Januar 2025 schloss Omexom in Brasilien mit dem Capim Branco Energia Consortium (CCBE) einen EPC-Vertrag (Engineering, Procurement and Construction). Der Vertrag umfasst die Modernisierung der Schutz-, Leit- und Instrumentierungssysteme der Wasserkraftwerke Amador Aguiar I und II mit einer installierten Gesamtleistung von 450 MW.

Die umfassende Modernisierung soll Stillstandszeiten reduzieren, die Effizienz steigern und die Betriebsleistung der Anlagen nachhaltig verbessern.

Gemessen am technischen Umfang und am Investitionsvolumen handelt es sich um das größte Modernisierungsprojekt im Bereich Wasserkraft in Brasilien.

Umfassender technischer Leistungsumfang

Das Projekt umfasst die umfassende Modernisierung der Automatisierungs- und Schutzsysteme für alle drei Erzeugungseinheiten an jedem Standort. Darüber hinaus werden die Hochwasserentlastungsanlagen, Hilfssysteme und Umspannwerke beider Kraftwerke modernisiert.

  • Diagram showing Omexom services across the electricity value chain

    „Mit der Modernisierung sollen wiederkehrende Unterbrechungen der Stromerzeugung aufgrund von Systemproblemen vermieden werden. Nach einer detaillierten Ursachenanalyse zur Reduzierung ungeplanter Stillstandszeiten entschied sich der Kunde für Omexom, um eine technisch hochmoderne Lösung und ingenieurtechnisch entwickelte Anwendungen umzusetzen.“

    André Xaia Projektleiter, Omexom in Brasilien

Optimierung der Leittechnik

Das neue Automatisierungssystem steuert die An- und Abfahrprozesse sowie den Betrieb der Erzeugungseinheiten und Hilfssysteme. Auch Wassereinlauf und Hochwasserentlastung werden in die automatisierte Steuerung einbezogen. Die Plattform umfasst zwei Betriebsserver, zwei Historienserver, 32 SPS, 25 lokale HMI und 40 Netzwerk-Switches. Die Komponenten bilden ein integriertes System zur Überwachung und Steuerung, das auf die Anforderungen moderner Wasserkraftwerke ausgelegt ist. Die Modernisierung soll zugleich die Effizienz der Anlagen verbessern, schnellere Reaktionszeiten ermöglichen und den Betreibern präzisere und schneller verfügbare Daten liefern.

Modernisierung der elektrischen Schutzsysteme

Neben der Automatisierung umfasst das Projekt umfangreiche Verbesserungen beim elektrischen Schutz zentraler Anlagenkomponenten. Alle sechs Generatoren mit jeweils rund 80 MW, sechs Transformatoren mit jeweils rund 100 MVA sowie kurze Übertragungsleitungen und 138-kV-Leitungen werden mit modernen Schutzsystemen ausgestattet. Insgesamt kommen 50 Intelligent Electronic Devices (IEDs) zum Einsatz. Die Modernisierung erhöht die elektrische Sicherheit, ermöglicht eine schnellere Fehlererkennung und verbessert die Netzstabilität beider Kraftwerke.

IO-Link als innovative Lösung für die Instrumentierung von Wasserkraftwerken

Ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung ist die vollständige Neugestaltung der Instrumentierungssysteme mit IO-Link-Netzwerktechnologie, einem modernen Kommunikationsstandard, der in brasilianischen Wasserkraftwerken bislang nur selten zum Einsatz kommt.

„Der innovative Ansatz des Projekts liegt vor allem in der Instrumentierung. Die neue Lösung verändert grundlegend, wie wir damit in unserem Netzwerk arbeiten, und eröffnet neue Möglichkeiten für die Automatisierung von Wasserkraftwerken“, so André Xaia, Projektleiter bei Omexom in Brasilien.

Im Rahmen der Modernisierung werden mehr als 1.300 neue Instrumente – darunter Messumformer für Druck, Temperatur, Durchfluss und Position – in ein einheitliches, intelligentes Netzwerk integriert. Mit IO-Link-Mastern, Ventilen, Entlüftungen und Kondensatableitern verbessert das System die Datengenauigkeit, Diagnosemöglichkeiten und Gesamtleistung erheblich und schafft damit neue Voraussetzungen für die Instrumentierung von Wasserkraftwerken.

Darüber hinaus wird das elektrische System mit 57 freistehenden Schaltschränken und mehr als 150 neuen Steuerungs- und Instrumentierungsschränken modernisiert. Damit werden die Voraussetzungen für eine weitergehende Automatisierung und Digitalisierung geschaffen.

Schrittweise Modernisierung bei laufendem Betrieb

Das Projekt erstreckt sich über vier Jahre. Auf die Planungsphase im Jahr 2025 folgen ab Februar 2026 Montage und Inbetriebnahme. Pro Jahr wird in jedem Kraftwerk jeweils eine Erzeugungseinheit modernisiert. Dieses schrittweise Vorgehen ermöglicht es, die Stromerzeugung während der Modernisierungsarbeiten aufrechtzuerhalten.

Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Projekt

Auch wenn die technologische Modernisierung im Mittelpunkt des Projekts steht, spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Das Team setzt verschiedene umweltbewusste Maßnahmen um. Dazu gehört der Einsatz von Elektrofahrzeugen am Standort, um die CO₂-Emissionen zu reduzieren.

  • Eine starke Partnerschaft und eine gemeinsame Vision für die Energiezukunft des Landes

    Infrastructure at the Amador Aguiar I hydroelectric power plant
  • Amador Aguiar I and II

Eine Partnerschaft auf Basis von Vertrauen und technischem Fachwissen

Omexom Brasilien und CCBE arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen. Der kontinuierliche fachliche Austausch hilft beiden Teams dabei, den Modernisierungsbedarf im Wasserkraftportfolio von CCBE zu erkennen und gemeinsam geeignete Lösungen zu entwickeln.

Mit dem aktuellen Projekt setzt Omexom sein Engagement für die Dekarbonisierung des brasilianischen Strommixes fort und unterstützt mit innovativen und nachhaltigen Lösungen die weitere Entwicklung der Energieversorgung im Land.

Die zentrale Rolle der Wasserkraft im brasilianischen Energiemix

Wasserkraft ist eine tragende Säule des brasilianischen Energiesystems. Im April 2025 verfügte Brasilien laut der brasilianischen Regulierungsbehörde für den Elektrizitätssektor ANEEL (Agência Nacional de Energia Elétrica) über eine landesweit installierte Stromerzeugungsleistung von mehr als 210 GW. Davon entfielen rund 48,76 % beziehungsweise 103,2 GW auf Wasserkraft. Da Wasserkraft einen bedeutenden Anteil am Energiemix des Landes hat, ist die Modernisierung bestehender Infrastruktur entscheidend, um die Zuverlässigkeit zu sichern, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu steigern und langfristig zur Energieversorgungssicherheit Brasiliens beizutragen.

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