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Europa verfolgt das ambitionierte Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 45 Prozent zu erhöhen und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Doch hinter diesen Zielen steht eine weniger sichtbare, aber drängende Herausforderung: Die Infrastruktur, über die erneuerbare Energie transportiert wird, ist vielerorts schlicht zu alt.

Das Stromnetz als Engpass

Wenn über die Energiewende gesprochen wird, steht häufig die Stromerzeugung im Mittelpunkt: installierte Gigawatt, in Betrieb genommene Windenergieanlagen und neue Rekorde bei der Solarstromerzeugung. Doch die Erzeugung ist nur ein Teil des Prozesses. Der Strom muss über Hochspannungsleitungen, Umspannwerke und Mittelspannungsnetze bis in die Niederspannungsverteilung gelangen, um Haushalte, Industrie, Krankenhäuser und Rechenzentren zu versorgen.

Die Mittel- und Niederspannungsnetze (MS/NS) wurden zu einer Zeit konzipiert, in der Strom in eine Richtung transportiert wurde: von großen, zentralen Kraftwerken zu den Verbrauchern.

Heute sind 40 Prozent der europäischen Verteilnetze mehr als 40 Jahre alt. Auch die Übertragungsleitungen in der EU sind im Durchschnitt ähnlich alt. Laut dem Bericht „Electricity 2026“ der Internationalen Energieagentur (IEA) warten weltweit Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien, Energiespeicherung sowie Großverbraucher mit einer Gesamtleistung von mehr als 2.500 GW auf einen Netzanschluss. Der Grund dafür liegt nicht in fehlender technologischer Reife, sondern in unzureichender Netzinfrastruktur. Allein in der EU warten nach Schätzungen des Europäischen Parlaments Projekte für erneuerbare Energien mit weit fortgeschrittenem Entwicklungsstadium mit einer Gesamtleistung von 1.500 GW auf einen Netzanschluss.

Laut dem Bericht „Global Energy Horizon 2026“ von S&P schätzt die Europäische Kommission, dass bis 2030 Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur in Höhe von 584 Milliarden Euro erforderlich sind. Bis 2040 steigt dieser Investitionsbedarf auf 1,2 Billionen Euro. Hinter diesen Zahlen stehen Masten, Kabel, Umspannwerke und Schaltanlagen ebenso wie die Fachkräfte und Engineering-Teams, die diese Infrastruktur in großem Maßstab planen und umsetzen.

Die technische Realität hinter den Energiezielen

Bei Investitionen in die Stromnetze richtet sich die Aufmerksamkeit häufig auf die Hochspannungs-Übertragungsnetze – das Rückgrat der nationalen Stromversorgung. Doch die Mittel- und Niederspannungsverteilnetze sind unmittelbar mit nahezu allen Bereichen unseres täglichen Energiebedarfs verbunden. Gleichzeitig sind hier die Auswirkungen der Dekarbonisierung besonders deutlich zu spüren.

Die Modernisierung der Verteilnetze ist jedoch alles andere als einfach. Anders als Erzeugungsanlagen, die häufig auf unbebauten Flächen entstehen, verlaufen Verteilnetze durch Straßen und bestehende Wohngebiete, unter Verkehrswegen hindurch und entlang von Bahnstrecken. Jeder Meter neu verlegtes Kabel, jedes modernisierte Umspannwerk und jede Freileitung, die durch eine unterirdische Kabelverbindung ersetzt wird, erfordern sorgfältige Planung, regulatorische Abstimmung und technische Präzision.

  • „Hinter jedem Megawatt erneuerbarer Energie steht ein Verteilnetz, das leistungsfähiger, intelligenter und widerstandsfähiger werden muss. Die Modernisierung der Mittel- und Niederspannungsnetze ist eine der dringendsten technischen Herausforderungen Europas.“

    Alain Grisval Distribution Business Support Manager, Omexom

In Europa kann die Genehmigung neuer Übertragungsleitungen 12 bis 17 Jahre dauern. Aufgrund dieser langen Zeiträume ist die Modernisierung bestehender Mittel- und Hochspannungsinfrastruktur kurzfristig häufig die einzige realistische Möglichkeit. Dadurch steigt der Druck auf die begrenzte Zahl von Engineering- und Bauunternehmen, die über die notwendige Erfahrung und Kapazität für solche Projekte verfügen.

Gleichzeitig können die Lieferzeiten für große Transformatoren bis zu zwei Jahre betragen, während die Warteschlangen für Netzanschlüsse weiter wachsen. Die Infrastruktur, die zum Erreichen der Ziele für 2030 erforderlich ist, benötigt Jahre für Planung und Bau, während gleichzeitig der politische und wirtschaftliche Druck steigt, schneller voranzukommen.

Zuverlässige Stromverteilung unter wachsendem Druck

Die Herausforderungen der Stromverteilung ähneln sich in ganz Europa und nehmen weiter zu. Im Mittelpunkt steht zunehmend nicht mehr nur die Frage, wie viel Strom erzeugt werden kann, sondern wie zuverlässig er zu den Verbrauchern gelangt. Omexom setzt dort an, wo eine erfolgreiche Energiewende entscheidend mitgestaltet wird: im Stromnetz.

Dieser Ansatz zeigt sich in unserer langfristigen Arbeit an Verteilnetzen. In Schweden unterstützt Omexom im Rahmen eines Fünfjahresvertrags mit E.ON bis 2030 das lokale und regionale Mittel- und Niederspannungsnetz in Stockholm. Der Leistungsumfang umfasst Störungsbehebung, Instandhaltung, Reparaturen und die Umsetzung von Projekten. Das verdeutlicht den kontinuierlichen Aufwand, den die Modernisierung der Netze erfordert.

Einen ähnlichen langfristigen Ansatz verfolgt Omexom in Finnland. Dort baut Omexom das Verteilnetz in Mittelfinnland im Rahmen von zwei Vereinbarungen für die Regionen Kyyjärvi und Laukaa  aus und verstärkt bestehende Netzinfrastruktur. Die Verträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren und bieten Optionen auf Verlängerung. Sie folgen demselben Ansatz: langfristige Partnerschaften für eine Infrastruktur, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig funktioniert.

Diese Projekte zeigen, was die Modernisierung von Stromnetzen tatsächlich erfordert: keine schnellen Lösungen oder digitalen Ansätze, sondern präzises Engineering, komplexe Logistik und jahrelange Arbeiten in Städtischen Gebieten bei laufendem Betrieb.

Es sind vielleicht keine Großprojekte, die regelmäßig Schlagzeilen machen. Doch genau diese oft wenig sichtbaren Arbeiten schaffen wesentliche Voraussetzungen für die Energiewende. Ohne leistungsfähige Stromnetze funktioniert nichts. Bei Omexom sind wir überzeugt: Widerstandsfähigkeit setzt ein zuverlässiges und sicheres Stromverteilnetz voraus.

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