Présentation :
Die AG Reederei Norden-Frisia, die das deutsche Festland mit den Ostfriesischen Inseln verbindet, stand vor einer Herausforderung, die viele Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen kennen: Im Sommer wird mehr Solarstrom erzeugt, als unmittelbar genutzt werden kann. Am Standort in Norddeich befinden sich eine Freiflächen-PV-Anlage mit 1,7 MWp sowie eine Carport-PV-Anlage mit 750 kWp. Sie versorgen unter anderem Niedersachsens größten Ladepark für Elektroautos. Ohne intelligentes Einspeise- und Lademanagement würde überschüssiger Solarstrom entweder das lokale Stromnetz überlasten oder ungenutzt bleiben. Beides wäre weder für die Kunden noch für den Netzbetreiber oder die Energiewende von Vorteil.
Intelligente Energiesteuerung für Solarstrom, Stromnetz und Elektromobilität in Echtzeit
Als technischer Projektpartner hat Omexom Deutschland drei OPM-Boxen (Modulares Omexom Power Management) am Standort installiert. Eine OPM-Box fungiert als zentrale Steuereinheit des Energiesystems: Eine Master-Box befindet sich am Mittelspannungsanschlusspunkt und übernimmt die zentrale Koordination. Zwei weitere Boxen sind über eine Glasfaserverbindung mit den 2,5 Kilometer entfernten PV-Anlagen verbunden. Gemeinsam stimmen sie die Solarstromerzeugung, die Aufnahmekapazität des lokalen Netzes und den Strombedarf der angeschlossenen Elektrofahrzeuge kontinuierlich aufeinander ab.
Das System kommuniziert über ein standardisiertes Industrieprotokoll direkt mit dem lokalen Netzbetreiber Stadtwerke Norden und erfüllt bereits die Anforderungen von Redispatch 2.0 der regulatorischen Vorgabe für den Echtzeit-Ausgleich im Stromnetz. Die Ladevorgänge werden dynamisch an den verfügbaren Solarstromüberschuss und die voraussichtliche Parkdauer angepasst. Ein Fahrzeug, das über das Wochenende auf dem Parkplatz steht, kann damit anders geladen werden als ein Fahrzeug mit kürzerer Standzeit.
Die OPM-Box verbindet dabei nicht nur PV-Anlagen und Ladeinfrastruktur. Sie berücksichtigt Netz- und Wetterdaten und steuert in Echtzeit, wie die verfügbare Energie eingesetzt wird.
Solarstrom mit Batteriespeichern optimal nutzen
Das Energiesystem versorgt nicht nur Elektrofahrzeuge. Ein Teil des Solarstroms wird auch für Deutschlands ersten Elektrokatamaran genutzt, den die Reederei Norden-Frisia im Inselverkehr einsetzt. In einer geplanten Erweiterung sollen zwei Batteriespeicher mit insgesamt bis zu 810 kWh in das bestehende System integriert werden. Sie können überschüssigen Solarstrom aufnehmen und bei Bedarf wieder zur Verfügung stellen – beispielsweise bei hoher Auslastung während der Tourismussaison. Nach Ende der Sommersaison und bei geringerer Nutzung des Parkplatzes kann überschüssige Energie zudem vermarktet werden.
Ein skalierbares, herstellerunabhängiges Modell für intelligentere Energiesysteme
Die Bedeutung des Projekts reicht aufgrund seiner innovativen Architektur über Norddeich hinaus. Die OPM-Box ist herstellerunabhängig und modular aufgebaut. Dadurch können Betreiber Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in unterschiedlichen Konfigurationen miteinander verbinden. Die Hardware lässt sich flexibel anpassen, sodass kostspielige Austauschmaßnahmen vermieden werden können. Darüber hinaus begleitet Omexom Betreiber umfassend durch den Zertifizierungsprozess nach der deutschen NELEV und unterstützt sie damit bei einer wesentlichen administrativen Herausforderung.
Küstenregionen, Tourismusstandorte und Fährterminals in ganz Europa arbeiten daran, ihre CO₂-Emissionen zu reduzieren. Der Frisia-Ladepark bietet dafür ein erprobtes und übertragbares Modell: Bestehende Parkflächen werden um intelligentes Energiemanagement ergänzt, sodass lokal erzeugte erneuerbare Energie die Energiewende vorantreibt. Fahrzeug für Fahrzeug und Überfahrt für Überfahrt.








