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Angesichts des steigenden Strombedarfs in den Niederlanden trägt die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Planungs- und Ausführungsteams dazu bei, dringend benötigte Netzkapazitäten schneller bereitzustellen.

In den Niederlanden steigt der Strombedarf deutlich. Gründe dafür sind die zunehmende Elektrifizierung der Industrie, die wachsende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und der Ausbau erneuerbarer Energien. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, muss die nationale Stromübertragungsinfrastruktur zügig ausgebaut und modernisiert werden. Nach Angaben von Netbeheer Nederland und TenneT könnte der jährliche Strombedarf in den Niederlanden von derzeit rund 120 TWh bis 2050 auf 290 bis 440 TWh steigen. Das verdeutlicht, wie dringend der Ausbau des Stromnetzes ist.

Ein wichtiger Standort für diesen Ausbau ist das Umspannwerk Geertruidenberg, ein zentraler Knotenpunkt im niederländischen Stromnetz. Im Zuge der Erweiterung der dortigen 380-kV-Infrastruktur durch TenneT waren auch Anpassungen am benachbarten 150-kV-Umspannwerk erforderlich, damit beide Anlagen im modernisierten Netz zuverlässig zusammenarbeiten können.

Üblicherweise erfolgen Planung und Bauausführung nacheinander. Das kann zu Verzögerungen führen, Projektrisiken erhöhen und die Bereitstellung dringend benötigter Netzkapazitäten hinauszögern. Da die Netzbetreiber landesweit Hunderte Ausbauprojekte betreuen, ist es umso wichtiger, Abläufe möglichst effizient zu gestalten. Allein TenneT plant in den kommenden Jahren rund 700 große Infrastrukturprojekte und die Modernisierung von etwa 140 Hochspannungsumspannwerken.

Planung und Ausführung von Anfang an verbinden

Um das Projekt schneller umzusetzen, setzte Omexom auf einen integrierten Ansatz, bei dem Planungs- und Ausführungsteams von Beginn an eng zusammenarbeiteten.

TenneT hatte zunächst das Planungsteam von Omexom beauftragt. Später wurde das Planungsteam in Den Bosch durch das Ausführungsteam aus Dordrecht ergänzt. So entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen Planung und Bauausführung. Statt die Planung wie üblich an das Ausführungsteam zu übergeben, arbeiteten beide Teams während des gesamten Projektverlaufs Hand in Hand.

Im Rahmen des Projekts wurden bestehende Transformatorfelder modernisiert und die Schutztechnik in einem weiterhin betriebenen Umspannwerk angepasst. Bisherige kupferbasierte Kommunikationsverbindungen wurden durch Glasfaserverbindungen und moderne Schutzrelais ersetzt. Dadurch kann die 150-kV-Anlage zuverlässig mit der erweiterten 380-kV-Infrastruktur zusammenarbeiten.

Durch die frühzeitige Einbindung der Ausführungsteams erhielten das Planungsteam direkte Einblicke in die praktische Umsetzbarkeit, die Anordnung der Betriebsmittel, die Montagelogistik und die Anforderungen an die spätere Wartung. Der kontinuierliche Austausch ermöglichte schnellere Anpassungen an der Planung und verringerte das Risiko, dass während der Bauausführung Probleme auftreten.

Bas Biever, Projektleiter bei Omexom in den Niederlanden, erklärt: „Hätten wir das Projekt nach dem üblichen Verfahren abgewickelt, hätten wir viel Zeit verloren.“

Gemeinsame Planungstermine, kurze Kommunikationswege und frühzeitige Beschaffungsentscheidungen halfen den Teams außerdem, Risiken rechtzeitig zu erkennen und das Projekt effizient voranzubringen.

Schnellere Umsetzung, bessere Ausführung

Die enge Zusammenarbeit sorgte dafür, dass die Planung besser auf die praktische Umsetzung abgestimmt war, die Bauarbeiten reibungsloser verliefen und sich die Projektlaufzeit insgesamt verkürzte.

Während der entscheidenden Abschaltphase arbeiteten die Fachkräfte von Omexom eng mit den Inbetriebnahmeteams von TenneT zusammen. In dieser Phase wurden die neuen Schutzsysteme angeschlossen und geprüft. Dank der gründlichen Vorbereitung und der abgestimmten Ausführung konnten die Anlagen termingerecht in Betrieb genommen werden.

Martin Naves, leitender Monteur bei Omexom in den Niederlanden, ergänzt: „Normalerweise sieht man die Planung erst, wenn es an die Umsetzung geht. Hier konnten wir unsere Ideen schon im Vorfeld einbringen.“

Der integrierte Projektansatz brachte mehrere konkrete Vorteile:

    • Kürzere Projektlaufzeiten durch die parallele Arbeit von Planung und Bauausführung. 
    • Bessere Umsetzbarkeit der Planung und gezieltere Vorbereitung der Bauarbeiten durch die frühzeitige Einbindung der Fachkräfte vor Ort. 
    • Frühzeitige Erkennung und Verringerung von Projektrisiken. 
    • Kürzere Abschaltzeiten, die dazu beitragen, die Zuverlässigkeit des Stromnetzes aufrechtzuerhalten. 
    • Effizienterer Wissenstransfer zwischen Planungs- und Betriebsteams. 

Vor allem trägt das Projekt dazu bei, die Kapazität und Widerstandsfähigkeit eines wichtigen Teils des niederländischen Hochspannungsnetzes zu erhöhen. Damit schafft es bessere Voraussetzungen, um zusätzliche Abnehmer und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien ans Netz anzuschließen.

Ein Modell für die Energiewende

Das Projekt in Geertruidenberg zeigt eine Herausforderung, vor der Netzbetreiber in ganz Europa stehen: Sie müssen ihre Infrastruktur schnell genug ausbauen, um die Dekarbonisierung zu unterstützen, und gleichzeitig Zuverlässigkeit und Sicherheit gewährleisten.

In den Niederlanden werden bereits heute jährlich rund 119 Milliarden kWh Strom verbraucht. Im Jahr 2024 stammten etwa 50 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien, gegenüber 46 Prozent im Vorjahr. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Gebäuden wird der Druck auf das Übertragungsnetz weiter zunehmen.

Um diesen Bedarf zu decken, braucht es nicht nur Investitionen in die Netzinfrastruktur, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit. Integrierte Projektmodelle wie in Geertruidenberg zeigen die Vorteile einer engen Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung. So lassen sich Verzögerungen reduzieren, die Projektqualität verbessern und wichtige Stromnetzinfrastruktur schneller ausbauen.

Während sich das niederländische Energiesystem weiterentwickelt, machen Projekte wie Geertruidenberg deutlich: Für einen erfolgreichen Netzausbau sind Zusammenarbeit und effiziente Abläufe ebenso wichtig wie die eingesetzte Technologie.

Lesen Sie auch den niederländischen Originalartikel zum Ausbau des Hochspannungsknotenpunkts Geertruidenberg

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